Mein Zuhause

Als Kind wuchs ich auf mit der Beschreibung „Zuhause“ für den Ort, an dem meine Eltern mich beherbergten und umsorgten. Dort konnte ich mich fallen lassen, entspannen, Zuflucht suchen. Zuhause war ein Rückzugsort, ein abschließbares Zimmer, eine Adresse in einer Straße, eine gewohnte, vertraute Umgebung.

Je mehr ich in die Welt hinaus ging, desto ungenauer wurde die Beschreibung dieses Ortes. Oft nannte ich sogar das Hotel in welches ich gerade zurückkehren wollte das Zuhause. „Ich gehe Heim, ich gehe nach Hause“.

Je weiter ich mich von der einstigen Adresse mit dem Namen Zuhause entfernte, desto eher wurde es der Ort, die Region, das Land, der Kontinent. „Hi, my name is Moe, I am from Germany“.

Mit der Zeit und mit zunehmendem Alter schwindet dieser einstige Zufluchtsort. Man zieht aus dem Elternhaus aus. Bewohnt eine eigene Adresse, hat einen eigenen Briefkasten.

Mit der Zeit wird die Region, das so gut gekannte Umfeld das Zuhause in das Gefühl der Heimat verwandeln. So geschieht es mir, wenn ich von Reisen zurück in die gewohnte Umgebung komme. Hier kenne ich mich aus. Doch bin ich hier zuhause?

Auf der Suche nach der Bedeutung, meiner Bedeutung für das Wort Zuhause, fand ich mich wieder, als es um ein scheinbar bedeutendes Thema im Lebenswandel eines Menschen ging: Schaffen wir uns ein gemeinsames Zuhause? Kaufen oder bauen wir ein Haus?

Das bringt Bindungen und Verbindlichkeiten mit sich, warum man es dann wohl als Zuhause definiert. Vielleicht weil man nun in gewisser Weise auch daran gebunden ist. Doch ist ein Gebäude wirklich mein Zuhause?

Warum? Weil dort meine Besitztümer lagern? Weil ich einen Schlüssel für dort habe? Weil meine Frau dort auch wohnt und später meine Kinder?

Nein! Diese Argumente überzeugten mich nicht.

Mein Zuhause, so habe ich für mich herausgefunden, sind Momente in denen ich mich so wohl fühle wie damals. Damals, als ich fälschlicherweise dachte dieser Zustand liege an der Wohnung meiner Eltern.
Meinen Kindern werde ich dieses Zuhause sein.

Zuhause sein, bedeutet für mich, in einem bestimmten Zustand zu sein. In einem Zustand von Glückseligkeit, Sicherheit, Wohlbefinden, Entspannung, Liebe, Geborgenheit und sehr wichtig: Im Verstandenwerden.

Das ist, was Eltern ihren Kindern geben und was ich bis heute in unzähligen Begegnungen, Gesprächen, Situationen und Gefühlen erlebt habe und erlebe.

„Home is, where the heart is“ so sagt man. Mein Herz habe ich immer dabei.

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