Natürliche Auslese

Mein Beitrag vom Februar 2011, damals war ich frisch losgezogen um die Welt zu erkunden:
„Seit dem 12. Februar 2011 bin ich nun auf Reisen. Zuerst Montreal, dann Toronto mit Zwischenstopp in Ottawa, dann Vancouver. Im Moment sitze ich im Zug, welcher in ca. 3 Tagen dort ankommen wird.
Es ist interessant! Ich verbrachte die Tage in den Städten mit „für mich sein“. Fernab von meinen Freunden, oder den Leuten, welche ich in Friedrichshafen IMMER um mich herum hatte. Natürlich fütterte ich meinen Blog, um zu kommunizieren wie es mir geht und was ich tue, doch über die Empfänger sollte ich mir erst im Laufe meiner Reise klar werden.
Wo fange ich am Besten an?
Um zu gehen musste ich sehr viele Hürden nehmen und einige Lehren lernen, mit denen ich niemals gerechnet hätte.
Zwei Firmen waren in meinem Besitz:
Ritzdesign, gegründet im August 2006 und Ritzmotive gegründet Mitte 2010.
Beide sind Dienstleistungs-Unternehmen und verfügten daher über einen Kundenstamm oder sogar offene Projekte. Äußerste Priorität hatte es für mich daher, dass diese Aktivitäten professionell zu einem guten Abschluss gebracht werden sollten und meine Kunden sich weiterhin auf die Unterstützung und Begleitung und das Verständnis von Profis verlassen konnten. Mir wurde im Rahmen der Geschehnisse vor meiner Abreise, auf welche ich später detailierter eingehen werde, klar, dass meine Kunden nicht bei dem Namen „Ritzdesign“ Dienstleistung kauften, sondern eine Verbindung zu mir selbst bestand. Meine Kunden, welche unterschiedlicher nicht sein könnten, habe ich sehr liebgewonnen, was, wie ich später durch persönliches Feedback von ihnen vermittelt bekam, auf Gegenseitigkeit beruhte und die brenzliche Situation um Einiges einfacher machte, da ich deren Loyalität und Vertrauen besaß.
Ritzdesign sollte eigentlich intern weitergeführt werden, was ich jedoch nahezu in letzter Sekunde vermeiden konnte, da Internas an freie Mitarbeiter ausgehändigt wurden, während die Firma in der Prüfphase des Gegenübers war. Ich vermute eine geplante Intrige oder ein Missverständnis aufgrund mangelnder Geschäftsführungskenntisse, oder die Mischung von beidem, da zwei Personen unterschiedlicher Berufserfahrung involviert waren. Wie auch immer, samstags war die Abreise geplant, Donnerstag, also 9 Tage davor, holte ich die Unterlagen zurück, nachdem ich mit Südsicht, einer Marketing- und Werbefirma aus Friedrichshafen, Gespräche geführt hatte.
Dienstags dann fuhren wir die einzelnen Kunden der offenen Projekte ab und informierten sie über die Übernahme persönlich. Manche sprachen von „persönlichem Verlust-Schmerz“, andere drückten mir ganz klar ihr Vertrauen in mein Handeln und die Übergabe an professionelle Leute aus, was mir deutlich machte, wie eng die Kundenbindung doch war und mich ungemein beruhigte. Angriffe seitens des intriganten Gegenparts wurden durch die enorme Bindung dadurch schon im Keim erstickt, bzw. fanden keinen Nährboden.
Das gesamte Prozedere warf mich, in meiner Planung auf die Abreise gezielt, um ca. 5 Tage zurück, was einige Nachtschichten zu Folge hatte. Meinen Rucksack packte ich samstags morgens um 2 Uhr zusammen mit Freunden.
Freunde. Ich habe Freunde, die mir in dieser Zeit zur Seite standen, ich habe Freunde, die mich fragen wie es mir geht, die mich vermissen und unterstützen, ich habe Freunde, denen ich wichtig bin. Was bedeutet Freundschaft eigentlich?
Viele hätten unglaublich viel Energie damit vergeudet, sich über die Umstände vor meiner Abreise aufzuregen, wären sie an meiner Stelle gewesen, das weiß ich. Ich selbst wäre dem Stress schier verfallen. Gang zum Anwalt, Klage, Klärung, Urteil, Ausführung, NICHTS…. Ich tat nichts.
Was mich davon abhielt war die Gewissheit, dass auch dieses unvorhergesehene Dilemma den Wert der Erkenntnis zur Abreise und meiner Reise allgemein um einiges ansteigen ließ. Wie mir es mittlerweile nahezu immer gelingt, beobachtete ich mich und die Situation auch diesmal sehr genau, analysierte mein Verhalten und meine Reaktionen und lasse alles auch immer wieder Revue passieren. Natürlich getreu dem Motto: Es gibt eine Zeit des Redens und es gibt eine Zeit des Schweigens, was ich hierbei auf meine Gedanken-Impulse projiziere.
Bei der immer objektiver werdenden Sicht auf die Dinge, hinterfragte ich im Groben sehr oft den Begriff „Freunde, oder positive Verbindungen“.
Was muss man als Freund tolerieren, was darf man annehmen, was darf man erwarten und was wird erwartet?
Die Lehre der Firmenmisere trug schon sehr früh Früchte. Durch Menschen, denen ich vertraue, aber auch durch den Vorteil, dass ich nahezu jeden kenne, erfuhr ich, wie durch Gerüchte, mein Vorgehen bei der Firmenübergabe und meine Motivation zu gehen verdreht und weiterkommuniziert wurde, was man sich von Freunden nicht wünscht und was ich heute nichtmehr toleriere.
Ich nenne es, eine natürliche Auslese, welche, wenn man sich nicht „ärgern“ lässt, auf der anderen Seite jedoch sich selbst treu handelt, viele Vorteile mit sich bringt und mühseliges Hinterfragen vermeidet. Die Menschen, die Dir Energie rauben sind näher als Du denkst, Du musst sie nur erkennen.
Was erwarte ich mir von Freunden? Natürlich nur das, was ich selbst als Freund gebe. Natürlich das, was ich mir selbst als „Freundschaft“ vorstelle und was unserer beider Vorstellung entspricht.
Das wäre zum einen Vertrauen! Ich vertraue meinen Freunden blind, lege damit Verantwortung in ihre Hände, gebe diese jedoch auch von herzen. Geheimnisse, Gespräche, Probleme und Erfahrungen sind der Schatz einer Freundschaft und sollten nicht zur Rechtfertigung dieser nach außen getragen werden. Geht es um unbequeme Wahrheiten, so wünsche ich mir, immer zu wissen woran ich bin. Es gibt für mich nichts Wichtigeres als die Reflexion meines Ichs durch liebe Menschen. Habe ich falsch gehandelt, wird schlecht über mich geredet, so erwarte ich, das ich an der Front vertreten werde und man auf mein Wort vertraut, oder, dass man nachfragt und mir glaubt. So, wie ich es bei meinen Freunden tue.
Ich erwarte Loyalität und Glauben! Meine Freunde kennen mich und nehmen mich wie ich bin, sie wissen über meine Schwächen und Stärken bescheid, doch NIE würden sie diese gegen mich verwenden, außer es geht um eine Konfrontation mit Realitäten, welche unter vier Augen geschieht.
Verstehe ich nicht, dann akzeptiere ich, sehe ich nicht, dann fühle ich. Ich bin stets bemüht, mich in mein Gegenüber hinein zu versetzen, um zu verstehen. Gelingt es mir nicht, dann frage ich nach, verstehe ich es dann immer noch nicht, akzeptiere ich trotzdem. In einer Freundschaft geht es nicht um Barrieren wie Verstehen, das Teilen einer Ansicht oder das Beistehen um jeden Preis. Es geht um das gehört werden, um Falsch und Richtig, um Ja und Nein, um Schwarz und Weiß und alle anderen Farben, welche NUR von den zwei befreundeten definiert werden.
Mir wurde klar, dass ich schwach war. Ich suchte nach Anerkennung, Verständnis, Nähe, Austausch und Liebe. Leider und zum Glück weiß ich nun, das Schwäche auch Toleranz in einem Maße bedeutet, welches einen „Ja“ sagen lässt, obwohl man „Nein“ meint. Mein Akku lädt zwar noch lange, doch ich sehe klarer auf zurückliegende Dinge, auf Verhaltensweisen der Menschen, die einst um mich herum waren, auf Energien, welche positiv oder negativ sind und nichts dazwischen.
Mir war nicht klar, wie verändernd diese Reise für mich werden sollte, und ich stehe erst am Anfang, bzw. bin gerade erst warmgelaufen. Alles in allem würde ich behaupten, dass alles, was hier in diesem Blog über zwischenmenschliche Erfahrungen steht, auf Freundschaften und Sympathien angewendet werden sollte, nicht jedoch auf alle Menschen. Soviele Personen in meinem Bekanntenkreis verwandelten sich in leere Hüllen aus Haut und Knochen in meiner Wahrnehmung, waren es aber schon immer.
Danke für diese Erkenntnis. Ich schöpfe sehr viel Energie daraus und weiß meine Freunde daher ein Stück mehr zu schätzen, als ich es ohnehin schon tue.“

Meinen Reiseblog von damals habe ich immer noch online. Hier kann man die Einträge nachlesen

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